Samstag, 30. Juni 2018

Zecken sicher entfernen

Die milden Winter bevorteilen die Ausbreitung von Parasiten, wie Stechmücken und Zecken. Dadurch wird der Mensch öfters von Zecken, wie den Gemeinen Holzbock, gestochen (umgangssprachlich: gebissen). Am heimtückischsten sind dabei die Zecken-Larven, die nur ein Bruchteil eines Millimeters groß sind und dadurch schlecht erkennbar. Zecken-Larven sind zudem schlecht zu erkennen, wenn die Haut keine rote Entzündung am Zeckenstich (Zeckenbiss) erzeugt.


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Zecken in einem Leimtropfen gefangen. Der Linseneffekt der Leimtropfen vergrößert die Zecken um das 5-fache. Links eine Nymphe und rechts eine Larve.


Infos zu Zecken


Zecken sind parasitäre Milben. Hausstaubmilben sind hingegen nicht parasitär. Eine Zecken-Larve ist nur 0,5 mm groß und dadurch schlecht zu erkennen. Hausstaubmilben sind bis zu 0,5 mm groß. Zecken-Larven sind, insbesondere an schlecht einsehbaren Körperstellen, schlecht zu unterscheiden von kleinen Pigmentflecken (Pigmentnävi, Leberflecken), die eine hellbraune bis dunkelbraune oder violette bis rote Farbe haben, oder von Anginomen (Gefäßnävi, Hämangiome, kleine Wucherungen der Hautgefäße, Blutflecken, Blutschwämmchen).

Die Larven der Zecken sind das erste Stadium im Leben einer Zecke. Als nächstes Stadium folgt das Stadium der Zecken-Nymphe und danach das Stadium der adulten (geschlechtsreifen) Zecke. Das Weibchen einer adulten Zecke legt bis zu 20.000 Eier, aus denen 20.000 Zecken-Larven schlüpfen. Das Weibchen vom Gemeinen Holzbock legt bis zu 5.000 Eier. Einige Zeckenarten sterben nach dem ersten Eierlegen, andere legen bis zu sieben Mal Eier. Zecken-Larven haben nur 6 Beine und Nymphe sowie Adult haben 8 Beine.

Einige Zecken, wie der Gemeine Holzbock, sind sogenannte Lauerer-Zecken und unterscheiden sich dadurch von Jäger-Zecken. Lauerer-Zecken lauern im Gras und in Büschen auf ihre Wirte. Sie halten sich mit den hinteren Beinen fest und strecken die forderen aus, so dass sie, wenn der Wirt sie streift, an diesen hängen bleiben. Es ist allerdings auch zu beobachten, dass Lauerer-Zecken sich auf den Wirt zubewegen, wenn dieser in der Nähe verweilt. Zecken erkennen ihre Wirte an dem Austoß von Kohlendioxid (Atem) und Ammoniak (Urin) sowie Milchsäure und Buttersäure (beides Schweiß). Zecken bewegen sich mit bis zu 8 Metern pro Stunde schneller als Weinbergschnecken (4,2 m/h).

Zecken ritzen die Haut ihres Wirtes an und stechen ihren Rüssel in diese Wunde. Dies ist der sogenannte Zeckenstich, der umgangssprachlich Zeckenbiss genannt wird. Dabei geben sie Speichel mit einer Mixture aus Proteinen ab, durch die beim Wirt sowohl Entzündungsreaktion als auch Schmerzempfinden sowie Blutgerinnung unterdrückt werden. Der Speichel kann Bakterien, Viren und intrazelluläre Parasiten enthalten, die auf den Wirt übertragen werden können und die für die Zecken selbst harmlos sind.

Durch einen Zeckenstich können Erkrankungen wie Borreliose, Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME), Babesiose (ähnlich Malaria), Ehrlichiose, Neoehrlichiose oder Rickettsiosen sowie das Q-Fieber übertragen werden. Von den übertragbaren Krankheiten können einige tödlich sein. Im Jahr 2009 starben in Niederlande 25 Menschen an Q-Fieber. Rickettsien sind intrazelluläre Parasiten, die Krankheiten, wie Fleckfieber, Zeckenstichfieber, Rickettsienpocken, Brill-Zinsser-Krankheit, Boutonneuse-Fieber (Mittelmeer-Zeckenfleckfieber) und Rocky-Mountain-Fleckfieber, auslösen können. Deren Entdecker, Howard Taylor Ricketts (1871-1910), starb an einer Erkrankung durch Rickettsien.

Es sind bisher weltweit mehr als 850 Arten von Zecken bekannt. Der Mensch ist hauptsächlich Wirt von den Zeckenarten Gemeiner Holzbock und Taigazecke sowie auch Wirt von den Zeckenarten Hirschzecke, Igelzecke, Fuchszecke, Schafzecke, Auwaldzecke und Hundezecke sowie Fehlwirt der Zeckenart Taubenzecke, die zwar wenige Tage später daran stirbt, aber auch Krankheiten überträgt.

Einige Zeckenarten können viele Jahre ohne Nahrung überleben. Eine Art der Lederzecken kann bis zu 11 Jahre ohne Nahrung überleben. Die Wirte von Lederzecken sind unter anderem Zugvögel, was diese Nahrungspausen notwendig macht. Die Wirte von Lederzecken sind im allgemeinen Vögel, Reptilien und Menschen.

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Größe einer Zeckenlarve. Ein Pixel am Computer-Monitor ist zwischen 0,23 und 0,29 mm groß. Eine Zecken-Larve ist 0,5 mm groß. Der schwarze Punkt in der Grafik ist 2x2 Pixel groß, also an einem Computer-Monitor ungefähr so groß wie eine Zecken-Larve.
Smartphones haben zu unterschiedliche Pixelgrößen für eine Darstellung mittels Grafik.


Aufbau einer Zecke


Zecken bestehen hauptsächlich aus zwei Teilen, dem Capitulum (Gnathosoma, Zeckenkopf) mit dem Mundwerkzeug und dem Idiosoma mit Beinen und Blutsack. Am Zeckenkopf befindet sich ein zu Tastern ausgebildetes Beinpaar, womit Zecken eigentlich 10 Beine haben. Zudem befinden sich am Zeckenkopf die beiden Kieferklauen und der Saugrüssel, der beim Gemeinen Holzbock mit Zähnen (Wiederhaken) bestückt ist. Am Idiosoma befinden sich zwei Öffnungen für die Trachee, durch die eine Zecke atmet.
Milbe Zecke Anatomie von unten

drawing by David Walter, Invasive Mite Identification, CSU and USDA APHIS ITP


Der Zeckenstich (Zeckenbiss)


Bei einem Zeckestich wird Speichel auf die Haut aufgetragen, welcher zuerst das Schmerzempfinden unterdrückt. Dann wird mit den Kieferklauen die Haut angeritzt und dadurch sammelt sich Blut in der Wunde. Jetzt verhindert der Speichel die Blutgerinnung und die Entzündung der Wunde. Als nächstes sticht die Zecke ihren Rüssel in die Wunde (bei manchen Zeckenarten ist es nur ein hineintauchen in das angesammelte Blut) und saugt das Blut auf. Zudem klebt der Speichel die beiden Taster wie Leim an die Haut fest. Der Leim ist so fest, dass er das Vorderteil (Zeckenkopf) abtrennen kann, wenn am Hinterteil gezogen wird.

Zecken bevorzugen Körperstellen mit gut durchbluteter dünner Haut und geschützte Körperpartien. Dazu zählen unter anderem die Kniekehlen, die Leistengegenden, die Achselhöhlen, die Ohren und der Haaransatz am Hals sowie auch der Penis. Es werden allerdings auch sehr häufig alle Stellen der Beine, von den Füßen bis zur Hüfte, wahllos von Zecken gestochen. Auch die Hände und Arme sind ebenso betroffen, wenn diese Zecken berühren.


Entfernen von Zecken


Nach dem Aufenthalt in der Natur


Es ist zu beachten, dass nach einem Aufenthalt in der Natur die Zecken eventuell noch nicht zugestochen haben und sich noch in der Kleidung befinden. Wenn dem so ist, dann ist es möglich, dass die Zecken in der Nacht und am folgenden Tag in der Wohnung nach ihrem Wirt suchen und diesen dann erst einige Stunden oder Tage später stechen. Deshalb ist es ratsam die Kleidung sofort zu waschen, oder zumindest vorübergehend in einem Plastiksack luftdicht zu verpacken, der dann beim Waschen der Wäsche mit Wasser (Brauseschlauch) ausgespült wird.

Vor dem Entfernen


Es ist nicht ratsam die Zecke samt Zeckenstich-Wunde vor dem Entfernen zu desinfizieren. Krankheitserreger von Zecken werden zwar mit Desinfektionsmittel vernichtet, doch die Zecke selbst reagiert darauf wie auf einen Angriff, bei dem die Zecke vermehrt Speichel absondert und eventuell sogar ihren Darminhalt in die Wunde übergibt, womit noch mehr Krankheitserreger in die Wunde gelangen.

Da Zecken atmen, sterben diese, wenn sie keinen Sauerstoff bekommen. Bei der Entfernung einer Zecke ist es nicht ratsam, diese vorher zu töten, damit sie nach dem Entfernen schon tot ist. Das wäre zwar ratsam, denn wenn die Zecke nach dem Entfernen herunterfällt, ist sie meist schwer zu finden, doch wenn sie bereits tot ist, wäre dies nicht so schlimm. Doch das Töten der noch festgebissenen Zecke ist für die Zecke ein Angriff und deshalb ist dies zu unterlassen.

Für eine Zecke ist es ein Angriff, wenn diese vor dem Entfernen mit Öl, Zahnpasta, Klebstoff, Nagellack, Nagellackentferner oder Desinfektionsmittel betupft wird. Dadurch stirbt eine Zecke zwar innerhalb weniger Minuten, weil sie nicht mehr atmen kann, doch es gelangen möglichweise auch mehr Krankheitserreger in die Wunde.


Was nicht nachgewiesen aber möglich ist, dass Zecken auch sterben, wenn in einem See gebadet und geschwommen wird. Allerdings fallen tote Zecken, die bereits gestochen haben, wegen des Leims im Speichel und den Wiederhaken am Rüssel nicht unbedingt von alleine ab.

Während des Entfernens


Beim Entfernen der Zecke ist wegen des Festklebens des Zeckenkopfes an der Haut durch deren Speichel dringend zu beachten, dass die Zecke am Zeckenkopf angefasst/angepackt wird und nicht nur am Hinterteil gezogen wird, weil sonst der Zeckenkopf abreissen könnte. Jeder, der schon einmal eine Zecke entfernt hat, wird dieses abreissen der Zecke von der Haut kennen, das mit einem Geräusch verbunden ist. Das Geräusch ist dem Festkleben und den Widerhaken am Rüssel zu verdanken. Wird der Zeckenkopf vom Hinterteil abgerissen ist das Geräusch anders.

Der Zeckenkopf einer Zeckenlarve ist mit ca. 0,1 mm (100 µm) mit blosem Auge so gut wie nicht sichtbar.

Damit der Zeckenkopf angepackt wird, muss unter das Hinterteil gegriffen werden. Wenn die Zecke mit Fingernägeln gepackt wird, dann sollten die Fingernägel direkt über der Haut zukneifen, also fest auf die Haut gedrückt werden. Wenn die Fingernägel nicht den Zeckenkopf kneifen, sondern das Hinterteil einer Zecke, oder wenn die Zecke mit den Fingerkuppen gepackt wird, anstatt mit den Fingernägel, kann der Zeckenkopf abreissen.

Zeckenzangen (insbesondere aus Plastik, aber auch aus Metall) greifen die gesamte Zecke und nicht unbedingt nur den Zeckenkopf. Damit ist ein abreissen des Zeckenkopfs möglich.

Zeckenhaken ziehen am Hinterteil der Zecken und somit kann der Zeckenkopf abreissen.

Zeckenkarten ziehen am Hinterteil der Zecken und somit kann der Zeckenkopf abreissen.

Herkömmliche Pinzetten quetschen die komplette Zecke und ziehen am Hinterteil der Zecke, wordurch der Zeckenkopf abreissen kann.

Spezielle Zecken-Pinzetten haben Spitzen, die sehr fein auslaufen und mit denen eine Zecke nicht von oben, sondern seitlich gepackt werden kann. Dabei muss die Pinzette an der Spitze sehr fein sein (0,1 mm) und zudem fest zupacken können, damit sie nicht vom Zeckenkopf abrutscht und am Hinterteil zieht.

Eine ideale Zeckenzange greift direkt seitlich mit zwei sehr flachen Kanten direkt über der Haut von zwei Seiten (oben und unten) am Zeckenkopf zu. Dabei müssen die beiden flachen Kanten nicht zu grob sein, damit sie nicht das Hinterteil quetschen, und nicht zu fein sein, damit sie die Zecke nicht zerschneiden, was natürlich auch auf die Kraft vom Zupacken ankommt.

Nach dem Entfernen


Es ist ratsam die Zeckenstich-Wunde nach dem Entfernen der Zecke sofort zu desinfizieren. Krankheitserreger von Zecken werden mit Desinfektionsmittel vernichtet.

Die ausgerissene Zecke kann auf einem Blatt Papier mit einem Tropfen Leim konserviert werden. Falls die Zecke noch nicht tot ist, so wird sie es dann sein.
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Dies ist keine fachärztliche Beratung, Auskunft oder Betreuung.
Bei Fragen zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie einen Arzt oder Apotheker.