Montag, 29. Februar 2016

Vorsicht bei Bildern von Wikipedia/Wikimedia – Lizenzierung & Urheberrecht

Im Bezug auf "public domain" und "gemeinfrei" ist ein Fehldenken weit verbreitet. Viele denken, dass wenn der Inhalt/Content – eben das was zu sehen ist – eines Lichtbildes oder einer Lichtbildkopie "public domain" oder "gemeinfrei" ist, so wäre es auch das Lichtbild oder die Lichtbildkopie. Dem ist aber nicht so. Aber genau wegem diesem Fehldenken, dass aus der Internet-Piraterie-Szene entsprungen ist, sind unzählige Fotos auf Wikipedia/Wikimedia falsch lizenziert.

Vorsicht bei Bildern von Wikipedia/Wikimedia – Lizenzierung & Urheberrecht


Vorweg-Info:
Als Lichtbild wird eine Abbildung sowohl eines Lichtbildwerkes, als auch "Werken" im Allgemeinen bezeichnet.
Lichtbilder sind sowohl analoge als auch digitale Fotografien, die auf irgendein analoges Material abgebildet sind, sowie auch digitale Bild-Dateien. Der urheberrechtliche und lizenz-relevante Status, der in diesem Artikel erläutert wird, betrifft auch digitale und analoge Kopien und Vervielfältigungen eines analogen und digitalen Lichtbildes. Darunter zählen auch Abdrucke in Zeitschriften und Büchern, sowie kopierte/vervielfältigte digitale Bild-Dateien im Internet. In diesem Artikel werden sowohl originale analoge und digitale Lichtbilder, als auch deren Kopien und Vervielfältigungen als Lichtbilder bezeichnet.

Lichtbilder eines Originals, dessen urheberrechtliche Schutzfrist abgelaufen ist, sind nicht automatisch "public domain" oder "gemeinfrei". Für Sie gilt eine eigene Schutzfrist, bei der das Urheberrecht beim Lichtbildner desselben liegt. Selbes gilt selbstverständlich auch für analoge Abbildungen und Kopien eines Originals, dessen Schutzfrist abgelaufen ist.

Es kommt nicht darauf an, ob das was zu sehen ist keine Schutzfrist mehr genießt, sondern ob das zeigende Medium (Abdruck) eine eigene Schutzfrist genießt. Das Zeigende kann ein Abdruck oder eine Datei sein. Es wird von "Print" (Druck) und "Digital" (Datei) gesprochen.

Abbildungen, die ein Original zeigen, sowie Vervielfältigungen eines Originals und Vervielfältigungen einer Abbildung eines Originals, dessen urheberrechtliche Schutzfrist abgelaufen ist, haben eine eigene Schutzfrist von 50 Jahren nach ihrer Veröffentlichung. Das Urheberrecht dieser Abbildungen und Vervielfältigungen liegt bei dessen Lichtbildner. Beim Erstellen muss das Urheberrecht im Bezug auf das Besitzrecht beachtet werden. Genehmigungsfrei ist nur das Erstellen von Lichtbildern, sowie Kopieren und Vervielfältigen von urheberrechtlich geschützten Sachen, die sich im "öffentlichen Raum" befinden, bzw. auf Wegen, Straßen und Plätzen, die dem Gemeingebrauch gewidmet sind.

Im Deutschen Urheberrecht werden Abbildungen von Lichtbildwerken und Werken im Allgemeinen als "Lichtbilder" bezeichnet.


Deutsches Urheberrecht

§ 72 Lichtbilder
(1) Lichtbilder und Erzeugnisse, die ähnlich wie Lichtbilder hergestellt werden, werden in entsprechender
Anwendung der für Lichtbildwerke geltenden Vorschriften des Teils 1 geschützt.
(2) Das Recht nach Absatz 1 steht dem Lichtbildner zu.
(3) Das Recht nach Absatz 1 erlischt fünfzig Jahre nach dem Erscheinen des Lichtbildes oder, wenn seine erste erlaubte öffentliche Wiedergabe früher erfolgt ist, nach dieser, jedoch bereits fünfzig Jahre nach der Herstellung, wenn das Lichtbild innerhalb dieser Frist nicht erschienen oder erlaubterweise öffentlich wiedergegeben worden ist.
§ 108 Unerlaubte Eingriffe in verwandte Schutzrechte
(1) Wer in anderen als den gesetzlich zugelassenen Fällen ohne Einwilligung des Berechtigten
3. ein Lichtbild (§ 72) oder eine Bearbeitung oder Umgestaltung eines Lichtbildes vervielfältigt, verbreitet oder öffentlich wiedergibt,
wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.
(2) Der Versuch ist strafbar.
§ 108a Gewerbsmäßige unerlaubte Verwertung
(1) Handelt der Täter in den Fällen der §§ 106 bis 108 gewerbsmäßig, so ist die Strafe Freiheitsstrafe bis zu fünf
Jahren oder Geldstrafe.
(2) Der Versuch ist strafbar.
Quelle: http://www.gesetze-im-internet.de/urhg/index.html


Der Lichtbildner eines Lichtbildes von einem Werk oder Lichtbildwerk, sowie von Kopien und Vervielfältigung davon und auch von einem schon bestehenden Lichtbildes oder Kopien und Vervielfältigung davon, ist der Urheber des von ihm erstellten Lichtbildes und sein Lichtbild genießt eine Schutzfrist von 50 Jahren nach Veröffentlichung desselben, oder, wenn es nicht veröffentlicht wurde, 50 Jahre nach dessen Herstellung. Aber auch nach den 50 Jahren bleibt er der Eigentümer, wenn er sein Lichtbild nicht veräußert hat. Selbes gilt bei von ihm erstellten Kopien oder Vervielfältigungen von diesem seinem Lichtbild. Nur muss ihn dann keiner mehr bei Verwendung eines erworbenen(!) Lichtbildes, oder einer erworbenen(!) Kopie oder Vervielfältigung davon, um Genehmigung bitten, bzw. verfällt die Schutzfrist und gegebenenfalls die Lizenz des erworbenen(!) Lichtbildes, oder der erworbenen(!) Kopie oder Vervielfältigung davon, nach 50 Jahren nach dessen Veröffentlichung oder dessen Herstellung. Erst nach diesen 50 Jahren kann der Eigentümer eines erworbenen(!) Lichtbildes, oder einer erworbenen(!) Kopie oder Vervielfältigung davon, frei damit umgehen. Vorausgesetzt das zu Sehende genießt keinen Schutz. Das kann neben dem Urheberrechtsschutz auch ein Markenrechtsschutz oder Persönlichkeitsrechtschutz sein.


Es folgen Beispiele:

Nun ist das Entwenden eines Lichtbildes für viele nicht vergleichbar mit dem Entwenden eines Papier-Fotos oder einer plastischen Vervielfältigung/Kopie eines Werkes. Der Status beider ist aber der gleiche. Nur verstehen die Leute nicht, dass sie nicht in ein Antiquitäten-Geschäft gehen und dort alte Bilder und alte plastische Kopien von Originalen ungefragt mitnehmen können, bei denen die urheberrechtliche Schutzfrist des zu Sehenden oder kopierten Werkes abgelaufen ist. Bei einem Ladengeschäft verstehen sie es dann schon, wer der Besitzer dieser Sachen ist, aber bei einem Online-Geschäft verstehen sie es dann nicht mehr, wem die Lichtbilder gehören. Sie verstehen nur schwer, dass der Lichtbildner der Lichtbilder auch dessen Besitzer ist und seine Lichtbilder eine Schutzfrist genießen, die beim Besitzer der Lichtbilder liegt. Man kann also auch diese digitalen Sachen nicht einfach nehmen, nur weil das zu Sehende keine urheberrechtliche Schutzfrist mehr genießt. Eben darum, weil das Internet kein "öffentlicher Raum" ist, der dem Gemeingebrauch gewidmet wurde.


Ein größeres Problem stellt Wikipedia/Wikimedia dar. Dort werden aus eben benannten Gründen viele solcher im Internet "entwendeten" Lichtbilder, die noch eine Schutzfrist genießen, hochgeladen. Nun ist die Verwendung in Wikipedia/Wikimedia nicht kommerziell. Aber! Die Lichtbilder werden unter eine Lizenz gestellt, bzw. müssen dies bei Wikipedia/Wikimedia, die eine kommerzielle Verwendung zulässt. Das birgt die Gefahr der Verletzung des Urheberrechts.

Wenn ein Urheber eines seiner Lichtbilder auf fremden Webseiten findet, die nicht gewerblich/kommerziell sind, kann er gegen diese illegale Verwendung wenig unternehmen. Wenn der unrechtmäßige Verwender nicht einsichtig ist, steht der anwaltliche/gerichtliche Aufwand in keinem Verhältnis. Deshalb besteht für Wikipedia/Wikimedia selbst keine Gefahr. Das Problem bei Wikipedia/Wikimedia besteht darin, dass die Lichtbilder falsch lizenziert werden. Leute, die diese falsch lizenzierten Lichtbilder kommerziell verwenden, haben ein Problem. Wie zuletzt die Angelegenheit mit dem Lichtbild eines Gemäldes aus dem Mannheimer Museum. Das Museum verklagt nun aber nicht nur die kommerziellen Verwender, sondern auch Wikipedia selbst. Vielleicht wird das ein Präzedenzfall für Wikipedia.
http://www.heise.de/newsticker/meldung/Urheberrecht-Mannheimer-Museum-verklagt-Wikipedia-Betreiber-3015618.html


Das größte Problem mit dem UrhG ist nicht das Gesetz selber, sondern, dass viele falsche Informationen im Umlauf sind. Das Gesetz an sich ist, bis auf wenige Ausnahmen, sehr eindeutig. Nur wollen viele die gesetzliche Lage, so wie sie ist, nicht wahrhaben und sich mehr Freiheiten raus nehmen.

Fazit: Die Rechte an den Lichtbildern liegen bis 50 Jahre nach Veröffentlichung oder Herstellung derselben bei dessen Lichtbildner. Die Lichtbilder bleiben aber zeitlebens im Besitz des Lichtbildners, wenn er diese nicht veräußert hat.

Zwei Beispiele dazu:

1.) In einem Buch ist ein Bild abgedruckt, dass ein Gemälde zeigt, dessen urheberrechtliche Schutzfrist abgelaufen ist. Die Veröffentlichung des Buches geschah im Jahr 2001. Die urheberrechtliche Schutzfrist für das abgedruckte Bild endet am 01.01.2052. Wurde das Buch gekauft, so ist der Käufer der Besitzer des Buches. Er benötigt erst nach diesem Ablaufdatum keine Genehmigung mehr für eine Verwendung des abgedruckten Bildes vom dem Autor oder Verlag. Ist das Buch im Besitz eines anderen, wie zum Beispiel einer Bibliothek, so ist immer eine Genehmigung der Bibliothek – eben vom Besitzer des Buches – notwendig.

2.) Ein Inhaber eines Antiquitäten-Geschäfts erstellt von einem Gemälde, dessen urheberrechtliche Schutzfrist abgelaufen ist, ein Lichtbild und veröffentlicht dieses auf seiner Webseite im Internet. Das Lichtbild (die Bild-Datei) wurde 2006 erstellt und 2008 auf der Webseite des Antiquitäten-Geschäfts-Inhabers veröffentlicht. Die urheberrechtliche Schutzfrist für das Lichtbild (die Bild-Datei) endet am 01.01.2059. Der Eigentümer des Lichtbildes (der Bild-Datei) bleibt zeitlebens der Antiquitäten-Geschäfts-Inhaber. Eine Entwendung und Verwendung der Bild-Datei von der Webseite des Antiquitäten-Geschäfts-Inhabers bedarf dessen Genehmigung.


Ein weiteres Problem besteht bei Wikipedia/Wikimedia darin, dass wenn dem Uploader eine Genehmigung vorliegt, diese nicht in Wikipedia/Wikimedia einsehbar ist. Es können also Lichtbilder auf Behauptungen bei Wikipedia/Wikimedia veröffentlicht und lizenziert werden, die nicht einfach nachprüfbar sind.

Ein Sonder-Beispiele bei Wikipedia/Wikimedia:

1.) Wikipedia/Wikimedia hat mit einigen Bilderdiensten Sondervereinbarungen, die eine Genehmigung zur Verwendung und Veröffentlichung in Wikipedia/Wikimedia erlaubt. Das Urheberrecht dieser digitalen Lichtbilder liegt bei den Bilderdiensten. Die digitalen Lichtbilder wurden von den Bilderdiensten nicht unter eine freie Lizenz, wie Creative Commons oder GNU GPL u. ä. gestellt. Nun hat Wikipedia/Wikimedia zwar eine Genehmigung zur Verwendung und Veröffentlichung, sieht aber eine interne Lizenzierung vor, die zu einer falschen Lizenzierung dieser digitalen Lichtbilder führt.

Info: Das reine falsche Lizenzieren stellt keine Straftat dar und ist nicht strafbar.


Von all dem abgesehen ist es natürlich schön, wenn Leute/Unternehmen/Institutionen ihre Lichtbilder unter public domain/gemeinfrei stellen.

Für das Anfertigen eines Lichtbildes von urheberrechtlich geschützten und nicht geschützten Sachen an sich ist keine Genehmigung notwendig. Das betrifft auch das Entwenden von Bild-Dateien von fremden Webseiten, was technisch gesehen ein Kopieren des Lichtbildes (der Bild-Datei) ist und rein rechtlich eine Vervielfältigung darstellt. Ausnahmen gelten bei Sachen, wie alten Büchern in Bibliotheken, von denen, aus Schutz vor Zerstörung, nicht von jedem ein Lichtbild erstellt werden darf. Zudem ist die Bibliothek der Eigentümer und bestimmt über diese alten Bücher. Selbes gilt auch für Museen und insbesondere Webseiten im Internet. Zudem sind Bibliotheken und Museen sowie auch einige Parkanlagen und insbesondere das Internet kein "öffentlicher Raum" in dem die Panoramafreiheit gilt. An solchen Orten, die nicht dem "Gemeingebrauch gewidmet" sind, ist immer eine Genehmigung des Eigentümers schon beim Erstellen eines Lichtbildes notwendig.

Für die rein private Verwendung und unter Umständen sogar rein private Veröffentlichung von fremden Lichtbildern mit laufender Schutzfrist ist keine Genehmigung notwendig. Nur für die gewerbliche/kommerzielle Nutzung und Veröffentlichung des Lichtbildes ist eine Genehmigung erforderlich.


Vorsicht ist auch bei den neuen Lizenzen, insbesondere bei Creative Commons geboten. Da diese einige Unklarheiten produzieren. Das schenkt kein Vertrauen in solch lizenzierte Lichtbilder. Die CC0 Lizenz bietet die Möglichkeit, dass der Urheber "weltweit auf alle urheberrechtlichen und verwandten Schutzrechte verzichtet". Dies erweckt für viele den Eindruck, dass sie sich die so lizenzierten Lichtbildwerke und Lichtbilder, sowie Kopien und Vervielfältigungen davon, zu eigen machen könnten. Dem ist aber nicht so.


Es geht dabei darum, dass in jedem Fall bei einem Lichtbild, sowie Kopien und Vervielfältigung davon, immer der Name des Lichtbildners mit dem Lichtbild erwähnt werden muss. Auch, wenn dieses urheberrechtlich als public domain / gemeinfrei gilt. Es ist sozusagen so, dass der Name des Lichtbildners niemals von dem von ihm erstellten Lichtbild wegzumachen ist. Auch, wenn er das selbst wünscht. Einzig bleibt einem Urheber, dass von ihm erstellte Lichtbild anonym zu veröffentlichen. Ist kein Urheber auszumachen, so gilt ein Lichtbild als public domain / gemeinfrei. Aber selbst dann muss mit dem Lichtbild erwähnt werden, dass kein Urheber/Lichtbildner ausfindig zu machen ist. Denn selbst bei Lichtbildern, die urheberrechtlich als public domain / gemeinfrei gelten, ist immer der Name des Lichtbildners mit dem Lichtbild zu erwähnen. Abgesehen davon auch immer der Name des Bildners des auf dem Lichtbild abgebildeten Werkes sowie der Name des Lichtbildners des auf dem Lichtbild abgebildeten Lichtbildwerkes. Auch wenn die urheberrechtlich relevante Schutzfrist des Werkes, bzw. Lichtbildwerkes abgelaufen ist.



Ausschluss-Klausel: Dies ist keine Rechtsberatung. Dies ist nur eine laienhafte Mindermeinung über die Sachlage. Die hier zu empfangenden Informationen werden unter Ausschluss jeglicher Garantie und Gewährleistung angeboten. Es wird keine, bzw. es kann keine Verantwortung für die dargestellten Informationen übernommen werden. Keine Gewähr für Richtigkeit, Vollständigkeit und Aktualität.